Australien ist zu groß für eine Reise: wie man Regionen auswählt, statt alles zu wollen
Es gibt eine Frage, die fast jeder stellt, der zum ersten Mal eine Rundreise durch Australien plant: Wie schaffe ich das Great Barrier Reef, den Uluru, Sydney, Melbourne und die Great Ocean Road in drei Wochen? Die ehrliche Antwort lautet: gar nicht, zumindest nicht so, dass man etwas davon hat. Australien ist ein Kontinent, keine Insel mit ein paar Highlights. Wer das akzeptiert, plant anders. Er wählt Regionen statt Sehenswürdigkeiten und gewinnt dadurch das, was auf einer so langen Reise am meisten zählt: Zeit an einem Ort.

Die Größe, die man auf der Karte nicht spürt
Auf der Weltkarte wirkt Australien überschaubar, weil es allein im Ozean liegt und nichts zum Vergleichen daneben. In Wirklichkeit trennen die Küsten Flugstunden, nicht Autostunden. Zwischen Perth im Westen und Sydney im Osten liegt mehr Distanz als zwischen vielen europäischen Hauptstädten, und das Zentrum dazwischen ist weitgehend leer. Selbst innerhalb einer Region sind die Entfernungen groß: Wer die Ostküste von Cairns nach Sydney befährt, legt mehrere Tausend Kilometer zurück.
Hinzu kommt, dass die Jahreszeiten regional verschieden sind. Was im Süden angenehm ist, kann im tropischen Norden gerade Regenzeit sein. Eine Reise, die alles abdecken will, trifft also zwangsläufig irgendwo auf die falsche Saison. Auch das spricht dafür, sich zu beschränken.
Warum drei Wochen das Minimum sind
Australien reisen bedeutet für die meisten Europäer eine einmalige Unternehmung, und genau deshalb wollen sie alles sehen. Doch schon der Anfang kostet Zeit. Der Flug dauert mit Umstieg rund einen Tag, der Jetlag zwei bis drei weitere, und jeder Wechsel zwischen den Regionen bedeutet einen Inlandsflug, einen Mietwagenwechsel und einen halben Tag, der im Grunde verloren ist.
Rechnet man mit zwei bis drei Nächten pro Ort, was für ein Land dieser Größe angemessen ist, kommt man in drei Wochen auf sieben bis zehn Stationen. Das reicht für zwei, höchstens drei Regionen. Wer weniger Zeit hat, streicht nicht Nächte, sondern eine Region. Wer mehr Zeit hat, fügt eine hinzu. Die Rechnung ist simpel, aber sie wird selten gemacht.
Regionen statt Sehenswürdigkeiten
Der Denkfehler liegt oft im Ausgangspunkt. Wer mit einer Liste von Orten beginnt, verbindet sie mit Flügen und wundert sich, dass die Reise aus Flughäfen besteht. Wer mit Regionen beginnt, fragt zuerst: Was möchte ich erleben, und wo liegt das nah beieinander?
Das Riff und der Regenwald in Queensland ergeben mit Sydney und den Blue Mountains eine Ostküstenreise. Melbourne, die Great Ocean Road und Adelaide bilden den Süden, der sich mit einer Fahrt im Ghan, dem Zug quer durch den Kontinent, nach Norden verlängern lässt. Der Uluru und das rote Zentrum gehören mit dem tropischen Norden und der Kultur der Aborigines zu einer eigenen Reise, die mit Küste und Städten wenig gemein hat. Der Westen um Perth ist wieder eine andere Welt, weit weg von allem, und deshalb selten überlaufen.
Jede dieser Kombinationen füllt drei Wochen mühelos. Wer zwei davon verbinden will, braucht vier bis fünf Wochen oder den Mut, jede Region oberflächlicher zu sehen.
Drei Fragen, die die Auswahl leichter machen
Die erste Frage ist die nach dem Interesse. Wer tauchen will, braucht das Riff. Wer Wüste und Weite sucht, das Zentrum. Wer Städte, Wein und Küstenstraßen mag, den Süden. Meist zeigt sich schon hier, dass eine Region wichtiger ist als die anderen.
Die zweite Frage ist die nach der Anzahl der Flüge. Jeder Inlandsflug spart Straßenkilometer, kostet aber einen Reisetag. Zwei Inlandsflüge in drei Wochen sind vertretbar, vier sind zu viel.
Die dritte Frage betrifft die Jahreszeit. Weil das Klima je nach Region so unterschiedlich ist, bestimmt der Reisemonat oft, welche Kombination überhaupt sinnvoll ist. Wer den Reisetermin nicht frei wählen kann, sollte die Regionen nach dem Termin auswählen und nicht umgekehrt.
Was übrig bleibt, ist der Anfang der nächsten Reise
Am Ende bleibt eine Liste mit Orten, die man nicht gesehen hat. Das ist kein Scheitern, sondern die Voraussetzung dafür, dass die gesehenen Orte in Erinnerung bleiben. Reiseveranstalter wie TravelEssence, die Australien und Neuseeland als Maßarbeit planen und dafür eine deutschsprachige Seite betreiben, arbeiten nach genau diesem Prinzip: wenige Regionen, mehrere Nächte pro Ort, Unterkünfte bei Gastgebern, die ihre Gegend kennen, und ein Mietwagen, der auch kleine Straßen erreicht. Das Ergebnis ist eine Reise, die sich nicht wie eine Aufzählung anfühlt, sondern wie ein Aufenthalt. Der Rest des Kontinents läuft nicht weg.
Siehe auch: Reisen